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Zähne gut - alles gut?


Erfolgreich mit gesunden Zähnen und optimaler Ernährung!

In der Natur kauen und fressen Pferde bis zu 16 Stunden täglich. Der gesamte Verdauungstrakt ist an eine nährstoffarme und rohfaserreiche Nahrung optimal angepasst.

Artgerechte Ernährung: ohne Raufutter geht es nicht!
Heu: Minimum 1,5 kg/100 kg Körpermasse IDEAL - Gewicht


Wird Heulage (Feuchtheu) verwendet, ist etwa die 1,1-1,3 fache Heumenge auch für Sportpferde vorzusehen! Zuchtstuten und wachsende Pferde erhalten Raufutter zur freien Aufnahme, dicke Pferde bekommen dagegen weniger Raufutter zum Abnehmen zugeteilt am besten in Netzen oder Raufen. Hier darf Stroh maximal 1/3 der täglichen Raufuttermenge ausmachen (nur mit gesunden Zähnen, Verstopfungsrisiko, Wasserversorgung absichern). Erfahrungsgemäß werden bei Zahnproblemen oft zu spät ausreichende Mengen eingeweichter Heucobs gegeben. Die Tagesmengen entsprechen trocken gewogen der genannten Heumenge! Diese Pferde kommen meist noch lange mit Gras zurecht. Im Gegensatz dazu wird ganztägiger Weidegang gerade für leichtfuttrige Rassen wie Haflinger, Fjordpferde, Isländer und Shettys kritisch gesehen. Unabhängig von der Energieaufnahme kommen die Pferde ihrem genetisch festgelegten Verhalten nach. Kauen bedeutet für Pferde auch „Unterhaltung“ und Stressabbau. Dieses Kaubedürfnis geht nicht selten mit massiven Gewichtszunahmen einher, die wiederum an sich schon ein Risiko für Hufrehe darstellen.

Leistung nur durch Kraftfutter?

Eine raufutterbetonte Ration ist nicht nur art- und verhaltensgerecht, sondern auch für die normale Verdauung sehr wichtig.

Ration raufutterbetont kraftfutterbetont
Futteraufnahme langsam schnell
Kauschläge je kg Futter viel wenig
Speichelfluss hoch wenig
Magenfüllung langsam schnell
Fermentation im Dickdarm moderat hoch



Raufutter wird langsam aufgenommen, gründlich gekaut, dabei gut eingespeichelt und gelangt als dünnflüssiger Brei in den Magen. Dort sorgt die ständig produzierte Salzsäure dafür, dass der Keimgehalt des Nahrungsbreis gemindert wird. Der Speichel puffert, so dass für die weitere Verdauung im Dünndarm bei fast neutralem pH-Wert die enzymatische Verdauung einsetzen kann. Im Verhältnis zur Körpergröße ist der Pferdemagen sehr klein und auf die gleichmäßige Aufnahme kleiner Futtermengen ausgerichtet. Die Passage des langen Dünndarms (ca. 25 m bei einem Warmblut) erfolgt sehr schnell: nach ca. 1,5 Stunden ist der Futterbrei im Blinddarm angekommen. Ab hier erfolgt die Verdauung in großen Gärkammern (Blinddarm und Grimmdarm)mit einem eigenen Ökosystem von Keimen. Diese Mikrobielle Fermentation braucht Zeit. Insgesamt zwei bis drei Tage dauert es, bis das Futter den Verdauungstrakt eines Pferdes passiert hat. Die Länge des gesamten Verdauungstraktes entspricht bei einem Warmblut etwa der langen Seite des Dressurvierecks! Daher spielt bei Verdauungsproblemen oft die Frage eine Rolle: Was wurde gestern und vorgestern gefressen?

Kraftfutterbetonte Rationen, wie in Sportställen üblich, führen zu einer schnellen Futteraufnahme. Das Krippenfutter wird weniger gut gekaut und eingespeichelt. Weil die Mahlbewegung kleiner ist, sind häufigere Zahnkontrollen anzuraten. Der Magen wird schnell gefüllt und die Salzsäure kann diesen dicken Nahrungsbrei weniger gut durchdringen. Kolik kann die Folge sein, wenn Keime ungehindert in den Dünndarm gelangen. Dort können auch große Stärkemengen nicht optimal verdaut werden. Statistisch gesehen steigt das Kolikrisiko für ein Warmblut ab 2,7 kg Kraftfutter täglich. Getreidestärke gelangt unverdaut weiter in den Dickdarm, wo sich die Keimflora zugunsten der Säurebildner (Lactobazillen) verschiebt. Der pH-Wert sinkt, die Darmwand wird geschädigt, Giftstoffe gelangen ins Blut- die Grundlage für Kolik und Hufrehe ist gelegt. Aus diesen Gründen wurde zur Gesunderhaltung des Pferdes von wissenschaftlicher Seite ein Kraftfuttermaximum definiert:

Maximal 300 g Kraftfutter/100 kg Körpergewicht und Mahlzeit!
Gut gefüttert ist nicht immer optimal ernährt: Rationsberechnung!


Zur bedarfsgerechten Ernährung gehören nicht nur optimale Mengen an Rau- und Kraftfutter. Je nach Einsatz von Getreide oder Ergänzungsfuttermitteln wie Müsli oder Pellets sollte abhängig von der Raufutterqualität (Heuanalyse!)auch der Gehalt an Mineralien und Vitaminen in der Ration überprüft werden. Mit einer Blutuntersuchung ist das nur im Bereich der Spurenelemente Kupfer, Zink und Selen sinnvoll. Die Mengenelemente werden so stark reguliert, dass auch bei einer Fehlversorgung die Werte im Blut lange in der Norm gehalten werden.

Die Ernährung eines Pferdes richtet sich hauptsächlich nach Körpergewicht, Ernährungszustand und Leistung. Zu viel Futter ist oft gut gemeint, birgt aber erhebliche Erkrankungsrisiken. Nach Zahnbehandlungen steigt die Ausnutzung des Futters um 10 bis 15%. Regelmäßige Zahnkontrollen und eine Rationsberechnung zur Überprüfung und Anpassung der Ernährung wirken langfristig gesunderhaltend und leistungsfördernd für das Pferd und schonen obendrein den Geldbeutel des Besitzers.

Dr. med. vet. Kathrin Irgang
Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung (Kleintiere)
Tätigkeitsschwerpunkt Rationsberatung Pferde
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